Aktiviere den Klärungsmodus
- 7. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Warum drehen sich Konflikte oft im Kreis, obwohl scheinbar alles gesagt ist? Häufig liegt die Antwort unter der Oberfläche. Der Konflikteisberg zeigt, warum Fakten, Positionen und Argumente selten die eigentliche Ursache eines Konflikts sind. Entscheidend wird der Moment, in dem wir beginnen zu verstehen, ohne einverstanden sein zu müssen. Warum genau dort der Wendepunkt vom Streitmodus zum Klärungsmodus liegt und was „innere Gastfreundschaft“ damit zu tun hat, erfährst du in diesem Beitrag.
„Ah, jetzt verstehe ich, was du gemeint hast!“
Ich stecke gerade mitten in den Vorbereitungen für ein Konfliktsensibilisierungstraining in einem Alters- und Pflegeheim. Natürlich darf dabei der Konflikteisberg nicht fehlen.

Denn wie oft streiten wir über Fakten, über die Wahrheit oder darüber, wer recht hat? Und trotzdem kommen wir keinen Schritt weiter.
Warum?
Weil es in Konflikten häufig gar nicht um das geht, was sichtbar über der Wasseroberfläche liegt. Entscheidend ist oft das, was darunter mitschwingt: Bedürfnisse, Befürchtungen, Verletzungen, Werte oder unausgesprochene Erwartungen.
Erst wenn wir beginnen, dort hinzuschauen, verändert sich die Begegnung.
Wir kommen vom Fordern und Positionieren zum Fragen und Verstehen.
Von der Diskussion zur Klärung.
Während ich gerade wieder einmal die Unterlagen für die Teilnehmenden zusammenstellte, hatte ich einen kleinen Aha-Moment 🎆:
Genau auf der Wasserlinie des Eisbergs geschieht die eigentliche Wende.
Dort verändert sich unsere Haltung.
Dort beginnt das, was ich so oft in Konfliktklärungen erlebe:
𝗩𝗲𝗿𝘀𝘁𝗲𝗵𝗲𝗻, 𝗼𝗵𝗻𝗲 𝗲𝗶𝗻𝘃𝗲𝗿𝘀𝘁𝗮𝗻𝗱𝗲𝗻 𝘇𝘂 𝘀𝗲𝗶𝗻.
Das klingt einfach. Ist es aber im Streit nicht?
Denn dafür braucht es etwas, das ich gerne 𝗶𝗻𝗻𝗲𝗿𝗲 𝗚𝗮𝘀𝘁𝗳𝗿𝗲𝘂𝗻𝗱𝘀𝗰𝗵𝗮𝗳𝘁 nenne.
Die Bereitschaft, offenzubleiben. Die Antworten des Gegenübers wirklich an sich heranzulassen. Nicht um ihnen zuzustimmen, sondern um sie zu verstehen.
Damit irgendwann der Satz möglich wird:
"Jetzt verstehe ich, warum du so gehandelt hast."
Die ist immer Wendepunkt.
Genau diesen Moment durfte ich letzte Woche in einem Klärungsgespräch zwischen einer Führungskraft und einer Mitarbeitenden erleben.
Plötzlich war das Verständnis wieder da. Nicht die Einigkeit. Nicht die gleiche Meinung.
Aber Verständnis.
Die Führungskraft schaute mich an und sagte:
"Jetzt verstehe ich endlich, was du mit 'verstehen, ohne einverstanden zu sein' gemeint hast."
Und das Schöne ist:
Diese Fähigkeit tragen wir alle in uns.
Nur in angespannten Situationen verlieren wir oft den Zugang dazu. Dann übernimmt der Streitmodus das Steuer.
Umso wertvoller ist es, die eigenen Mechanismen zu kennen und bewusst in den Klärungsmodus umzuschalten.
Denn dort entstehen oft die Gespräche, die wirklich etwas verändern.
Wann hast du zuletzt bewusst vom Streitmodus in den Klärungsmodus gewechselt?
Häufige Fragen zum Unterschied zwischen dem Streitmodus und dem Klärungsmodus
Wo finde ich Übungen und Fragen, die mir in einem akuten Konflikt helfen können?
Im Buch Konflikt, ledig, sucht ... Nein, danke! findest du viele Fragen, kreative Übungen und Anleitungen, die dich bei deinem Blick unter den Teppich unterstützen.

Was bedeutet „verstehen, ohne einverstanden zu sein“?
Verstehen bedeutet, die Beweggründe, Bedürfnisse oder Sichtweisen eines anderen Menschen nachvollziehen zu können. Es bedeutet jedoch nicht, dass du seine Meinung teilst oder sein Verhalten gutheisst.
Gerade in Konflikten ist diese Unterscheidung entscheidend. Denn echtes Verstehen schafft Verbindung und öffnet den Raum für Klärung – auch dann, wenn unterschiedliche Positionen bestehen bleiben.
Warum hilft der Konflikteisberg bei der Konfliktklärung?
Der Konflikteisberg verdeutlicht, dass die sichtbare Auseinandersetzung oft nur einen kleinen Teil des eigentlichen Konflikts ausmacht. Unter der Oberfläche wirken Bedürfnisse, Werte, Befürchtungen, Enttäuschungen oder unausgesprochene Erwartungen. Wer sich ausschliesslich auf die Fakten konzentriert, übersieht häufig die eigentlichen Konflikttreiber. Nachhaltige Klärung entsteht meist erst dann, wenn auch die tieferliegenden Ebenen betrachtet werden.
Was ist der Unterschied zwischen Streitmodus und Klärungsmodus?
Im Streitmodus versuchen wir häufig zu überzeugen, zu verteidigen oder Recht zu behalten. Im Klärungsmodus steht dagegen das Verstehen im Vordergrund. Wir stellen Fragen, hören zu und interessieren uns für die Perspektive des Gegenübers. Das bedeutet nicht, die eigene Sicht aufzugeben, sondern den Konflikt gemeinsam besser zu verstehen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken.
Wie gelingt der Wechsel vom Streitmodus in den Klärungsmodus?
Der Wechsel beginnt oft mit einer bewussten inneren Entscheidung: weg vom Reagieren, hin zum Verstehen. Hilfreich sind Fragen wie: „Was könnte meinem Gegenüber wichtig sein?“, oder „Was habe ich noch nicht verstanden?“. Diese Haltung der inneren Gastfreundschaft ermöglicht es, auch in schwierigen Gesprächen offen und neugierig zu bleiben. Genau dort entstehen häufig die Wendepunkte, die Konflikte wieder in Bewegung bringen.
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