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  • AutorenbildFranziska Stebler

Lösungsfokussiertes Konfliktmanagement

In der Ausbildung zur Mediatorin durfte ich in der letzten Woche die lösungsfokussierte Mediation kennenlernen. Diese Art der Mediation basiert auf der Haltung, dass alle Menschen die Möglichkeiten zur Lösung ihrer Konflikte in sich tragen. Wie ein Samen, der immer schon da ist. Und wenn man ihm Wasser und Nährstoffe gibt, kann er wachsen und gedeihen. Die lösungsfokussierte Mediation kann einen Teil dieser Nährstoffe sein. Wobei möglichst versucht wird, mit Fragen innere Räume in den Medianten zu öffnen, in denen diese Transformation stattfinden kann.


Die Woche wurde von Dr. Martina Scheinecker geleitet, sie hat diese Art des Konfliktmanagements während vielen Jahren wachsen und reifen lassen.


Ihr Konzept besteht aus 4 Räumen:


Sie versteht ihr Art der Mediation als "Unterstützung des selbstverantwortlichen Zusammenkommens". In den einzelnen Räumen werden die Konfliktparteien angeleitet, im wertschätzenden Dialog selbständig Erkundungen anzustellen. Wichtig ist, dass sie gleichzeitig, also gemeinsam in diesen Räumen sind und sich dort auf Augenhöhe (und Herzhöhe) begegnen. Dass dies nicht immer einfach ist, leuchtet sofort ein, dann da ist ja der Konflikt, der genau dieser Wertschätzung und gegenseitigen Empathie im Wege steht.



Spannend ist, dass Martina bereits zu Beginn des Gesprächs eine massive Hürde aufgebaut hat, oder aus einer anderen Perspektive betrachtet, vielleicht ein ganz besonders Geschenk. Gleich zu Beginn geht es darum, die Ressourcen und die Beziehung zwischen den Konfliktparteien zu stärken.


Martina hat uns in der Ausbildung eine Kostprobe ihres Könnens gegeben und in einem Rollenspiel (mit zwei Ausbildungsteilnehmerinnen) die vier Räume erkundet. Es war erlebbar und spürbar, dass dieser erste Schritt bei den Konfliktparteien unter grösserem inneren Widerstand stattgefunden hat. Martina hat in diesem Moment ganz viel Wertschätzung und Empathie ausgestrahlt, war aber unnachgiebig in der Umsetzung. Sie hat nicht nachgelassen, bis beide Parteien je eine Ressource des Gegenübers angesprochen hatten. Dies war der erste emotionale Wendepunkt in der Mediation. Die erste Eisschicht war gebrochen, ein wenig Licht hat durch gestrahlt.


Im nächsten Raum haben die Medianten die erwünschte Zukunft nach der Bewältigung des Konfliktes geteilt. Ihre persönliche erwünschte Zukunft haben sie zuvor mir Martina in einem Einzelgespräch erarbeitet. Es ging also in diesem Raum um das Vergemeinschaften und Anerkennen dieser Möglichkeits- und Hoffnungsräume. Ich kann mir gut vorstellen, dass in einer echten Mediation dann oft die Hoffnungen und Wünsche der Konfliktparteien nicht allzu weit auseinanderliegen. (Und falls doch, ist der bewusste Austausch dieser Unterschiedlichkeiten von unschätzbarem Wert!).


Im dritten Raum werden die Konfliktthemen geteilt, vertieft und erhellt und daraus Lösungen erarbeitet. Der Tiefgang liegt darin, die Gefühle, Absichten und Bedürfnisse der Konfliktparteien in den jeweiligen Situationen / zu den jeweiligen Themen auszugraben. Und auch hier ins Zuhören und Verstehen zu kommen, gerne mit dem U-Prozess. Unterstützt mit einer lösungsfokussierten und ressourcenorientierten Haltung der Mediatorin.


Zum Abschluss der Sitzung oder der Mediation werden Vereinbarungen getroffen, die die Konfliktdynamik durchbrechen und Teil der Lösung sind. Auch zwischen zwei Mediations-Sitzungen werden die Konfliktparteien aufgefordert, ihre Wahrnehmung und ihr Handeln bereits auf die Konfliktlösung einzustellen. Und als Fortschrittsdetektive alles zu registrieren, was zur Entspannung des Konfliktes beiträgt. Diese "goldenen Momente" werden in der nächsten Mediations-Sitzung als positive Türöffner gleich zu Beginn geteilt und wertschätzend anerkannt.


Fazit

Mich hat Martina und ihre konsequente Haltung zur Lösungsfokussierung fasziniert. Sie hat nicht einen Moment nachgelassen, immer an das Gute im Menschen referenziert. Sie hat so voller Empathie und Wertschätzung alles zugelassen, was möglich war. Und falls etwas nicht jetzt möglich war, hat sie uns ein unerschütterliches Vertrauen an den Prozess aufgezeigt. Alles kommt zu seiner Zeit.





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