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  • AutorenbildFranziska Stebler

Neue Lösungsräume in Konflikten öffnen

Aktualisiert: 29. Jan.

Als ich vor gut 10 Monaten mit der Ausbildung zur Mediatorin gestartet bin, hatte ich gleich einen AHA-Moment im ersten Lernmodul. Die Trainerin hat uns den U-Prozess der Konfliktlösung näher gebracht und wir haben den Prozess mit unseren eigenen Konflikten erlebbar gemacht.



Dabei hat sich mir ein grundlegend neues Verständnis für Absichten und Bedürfnisse eröffnet:


Die Bedürfnisnot als zentrales Anliegen für das Verstehen

Wenn ich verstehe, was meiner Gesprächspartnerin / der anderen Konfliktpartei fehlt, was ihre Bedürfnisse und ihre Not ist, dann verstehe ich das Zentrum, aus dem ihr Handeln entspringt, das Zentrum, aus dem der Schmerz entstanden ist. (Das Verstehen wird im Bild durch die liegende 8 symbolisiert.)


Und dieses Verstehen ist ein Wendepunkt. Es ermöglicht mir und meinem Gegenüber neue Lösungsräume, in denen neue frische Varianten von Handlungsoptionen liegen. Es ist der Punkt, indem sich der Fokus aus der Vergangenheit (der Bedürfnisnot) hin zu einer möglichen frischen Zukunft eröffnet.


Das Wesen des Konfliktes

Das Wesen des Konfliktes bedingt, dass sich im Konflikt die Wahrnehmung verengt, oftmals nur noch das negative beim Gegenüber gesehen wird. Einfühlungsvermögen für die andere Partei wird immer weniger (das Herz verschliesst sich) und bei allen Äusserungen der Konfliktpartei fühlt man sich noch mehr angegriffen, unverstanden und verletzt. Offenes Zuhören wird immer schwieriger, es ist, als ob sich ein destruktiver Filter vor alles gelegt hat. Diese starre, verschlossene Wahrnehmung begünstigt erst, dass der Konflikt immer mehr eskaliert. Der Konflikt liefert sich ab einem gewissen Grad an Eskalation selbst immer mehr Futter. Je mehr der Konflikt eskaliert ist, desto mehr schwinden die Selbstheilungskräfte bei den Konfliktparteien. Die Beziehung zwischen den Konfliktparteien geht verloren. Sie sind Gefangene ihres Innenlebens geworden.



Auch auf der Ebene des Willens findet im Verlauf der Konflikteskalation eine Erstarrung statt. So ist bei fortgeschrittenen Konflikten die Varianz in der Bedürfniserfüllung nicht mehr gegeben. Wo wir vor dem Konflikt uns mit diversen Strategien der Bedürfniserfüllung zufriedengeben können, muss es im Konflikt genau, dass eine sein. Nach dem Motto: Entweder dies oder nichts! Eine unglaubliche Sturheit tritt auf den Plan, die wir so an uns im friedlichen Zustand nicht kennen. Die Ego-Zentriertheit nimmt massiv zu. Wir degenerieren in Reifestufen, die wir schon lange geglaubt haben, überwunden zu haben.


Der U-Prozess der Konfliktlösung

Der U-Prozess der Konfliktlösung ermöglicht, dank der Fokussierung auf die Gefühlswelt, eine erneute Öffnung der Wahrnehmung. Das Gegenüber wird wieder als Mensch wahrgenommen, mit seinen Gefühlen und Bedürfnissen. Dies reaktiviert die Selbstheilungskräfte und die Empathie. Diese Öffnung ist in jeder Mediation körperlich spürbar, bei der Mediatorin sowie bei den Konfliktparteien. Es fällt eine Last von den Schultern, es wird wieder warm ums Herz, freieres Atmen ist wieder möglich, es kann erstmals wieder auch etwas Positives und Wertschätzendes geäussert werden. Dies schneidet dem Konflikt die Eigendynamik ab und ein Ausweg aus der negativen Konfliktdynamik wird möglich.


Jetzt ist emotional wieder ruhigeres Gewässer und in der Mediation kann die Bedürfnisnot, die Absicht der Parteien offenbart und anerkannt werden.


Ab diesem Zeitpunkt kann gemeinsam wieder ein konstruktiver Dialog aufgebaut werden. Zuerst noch ganz vorsichtig in winzigen Schritten und mit grosser Vorsicht wird ein Weg zur Konfliktpartei aufgebaut. Es braucht Mut, Vertrauensvorschuss und die aktive Erinnerung daran, dass hinter dem Schmerz in der Vergangenheit auch schöne, gute gemeinsame Erinnerungen vorhanden sind. Diese Ressourcen können proaktiv in das Friedensfundament eingewebt werden.


Das Land der leichten Lösungen

Dieser Weg ist mit einer intensiven Mitarbeit aller Konfliktparteien verbunden. Deshalb ist es elementar, für ein Konfliktcoaching oder eine Mediation, sei dies in einer Gruppe oder mit zwei Parteien, dass der Wille zu einer friedlichen Beilegung gegeben ist. Oder zumindest der Wille, zukünftig wieder gut zusammenzuarbeiten.


Wobei die friedliche Beilegung nicht bedeutet, dass nur eine Partei ihre Interessen durchsetzen kann. Oftmals sind die Interessen beider Parteien in der Lösung integriert, oder neue dritte Aspekte, die in der Konfliktdynamik nicht sichtbar waren.


In das Land der friedlichen Lösungen findet nur, wer vorhin den Weg über die Gefühle und Bedürfnisse gegangen ist (zumindest in diesem Prozess 😀).


Möchtest du das gerne auch erleben? Willst du deine Konfliktklärungskompetenzen verbessern? Dann melde dich gerne bei mir. Ich biete regelmässig Workshops und Trainings zu Konfliktklärungskompetenzen an.



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