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Einfühlen leicht gemacht

  • Autorenbild: Franziska Stebler
    Franziska Stebler
  • 2. Juni 2024
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 29. Dez. 2025

Wie empathisches Wahrnehmen Beziehungen vertieft – im Alltag, in Führung und in Konflikten


Empathisches Einfühlen verbindet. Es schafft eine Brücke zwischen deiner Realität und meiner – zwischen dem, was ich erlebe, und dem, was du wahrnimmst. Genau darin liegt seine Kraft: Es stärkt Beziehungen, vertieft Verständnis und ermöglicht echte Begegnung.

Gerade wenn wir mit Menschen arbeiten, sie führen oder durch herausfordernde Prozesse begleiten, ist empathisches Einfühlen keine „nice to have“-Kompetenz, sondern eine zentrale Fähigkeit. Ohne sie bleiben Gespräche oft an der Oberfläche, Missverständnisse entstehen schneller – und Konflikte verhärten sich.

Doch wie lässt sich Einfühlen konkret im Alltag leben, ohne sich selbst zu verlieren oder zu überfordern?


Empathie beginnt bei dir selbst


Einfühlung nach aussen gelingt nur dann gut, wenn du auch mit dir selbst in Kontakt bist. Wer innerlich gehetzt, gestresst oder emotional überflutet ist, kann nur begrenzt offen wahrnehmen.

Deshalb beginnt meine Lieblingsübung zum empathischen Einfühlen immer bei dir.


Eine einfache Übung für empathisches Einfühlen


Diese Übung kannst du mitten im Alltag anwenden – in Gesprächen, Meetings oder auch in konfliktgeladenen Situationen.


1. Richte den Fokus auf dich selbst

Halte innerlich kurz inne. Atme ein, atme aus.


2. Tritt einen Schritt zurück und beobachte dich

Stell dir vor, du schaust dir selbst über die Schulter.

  • Was nimmst du gerade wahr – körperlich, emotional, gedanklich?

  • Welche Gefühle sind präsent?

  • Welche Absicht bringst du in dieses Gespräch mit?

  • Wie wirkt die Umgebung auf dich?

Allein diese innere Distanz schafft bereits mehr Ruhe und Klarheit.


3. Richte deine Aufmerksamkeit auf die andere Person

Nun wende dich bewusst deinem Gegenüber zu.

  • Was siehst du?

  • Wie ist die Körperhaltung, der Blick, die Atmung?

  • Was erzählt das Gesicht – auch jenseits der Worte?

Erlaube dir nun, dich vorsichtig und mutig einzufühlen:

  • Was könnte diese Person gerade fühlen?

  • Welche Bedürfnisse oder Wünsche könnten im Hintergrund wirksam sein?

  • Welche Absicht bringt sie möglicherweise ins Gespräch?

Wichtig: Das ist deine subjektive Wahrnehmung, keine Wahrheit.


4. Kehre zu dir zurück

Atme nochmals tief durch. Verbinde dich wieder mit dir selbst.

Lass das Wahrgenommene innerlich wirken – und integriere es achtsam ins Gespräch, zum Beispiel durch offene, prüfende Fragen oder eine wohlwollende Spiegelung.


Warum diese Übung wirkt


Durch die bewusste Distanz zu deinem eigenen inneren Erleben und das achtsame Einfühlen ins gegenüber entsteht innere Sicherheit. Du reagierst weniger impulsiv, hörst genauer hin und bleibst handlungsfähig – auch dann, wenn dein Gegenüber unter Stress steht.

Ich selbst nutze diese Übung besonders dann, wenn ich Anspannung oder Überforderung bei anderen wahrnehme. Am besten gelingt sie mir, wenn ich selbst nicht im Stress bin – was ehrlich gesagt auch für mich immer wieder eine Übung ist. Doch genau diese Praxis bereichert mein Denken, Fühlen und Handeln. Und das ist Motivation genug, dranzubleiben.


Mini-Impuls zum Abschluss


Hast du bis hierhin gelesen? Wunderbar. Dann probiere es jetzt gleich aus:

Leg das Smartphone kurz weg. Nimm zwei tiefe Atemzüge. Und richte deine Aufmerksamkeit ganz auf dich.

Einfühlen beginnt genau hier.


Fazit


Einfühlen ist keine Technik, die man „richtig“ machen muss. Es ist eine innere Haltung – geprägt von Neugier, Wohlwollen und der Bereitschaft, die eigene Perspektive kurz zu weiten.

Wer empathisches Einfühlen kultiviert, stärkt nicht nur Beziehungen zu anderen, sondern auch den Kontakt zu sich selbst. Und genau dort entsteht die Grundlage für konstruktive Gespräche, tragfähige Zusammenarbeit und einen menschlichen Umgang mit Konflikten.


Die häufigsten Fragen zum Thema empathisches Einfühlen


Muss ich die Gefühle meines Gegenübers korrekt benennen können?

Nein. Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern um Öffnung. Eine vorsichtige, fragende Wahrnehmung („Könnte es sein, dass…?“) reicht völlig aus.

Was, wenn meine Einfühlung danebenliegt?

Dann ist das kein Scheitern, sondern Teil des Dialogs. Dein Gegenüber kann dich korrigieren – und fühlt sich oft gerade dadurch ernst genommen.

Kann empathisches Einfühlen manipulativ wirken?

Ja, wenn es instrumentalisiert wird. Echtes Einfühlen ist immer verbunden mit Aufrichtigkeit und Respekt – nicht mit einem versteckten Ziel.

Hilft Einfühlen auch in Konflikten?

Gerade dort. Einfühlen entschärft, verlangsamt und schafft Vertrauen – oft die Voraussetzung dafür, dass Klärung überhaupt möglich wird.


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Franziska Stebler: Konflikt, ledig, sucht ... Nein danke!
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Die Autorin

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Franziska Stebler

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Schreiben ist meine Passion und macht mich glücklich. 

Meine Texte verbinden leicht zugängliche Theorie, praxisnahe Impulse und Fragen, die tief ins Innere von uns Menschen führen.

Denn dort beginnt die Transformation – hin zu einem gelasseneren, friedvolleren Leben.

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