Zuhören als Akt der Rebellion?
- Franziska Stebler

- 23. Juli 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 29. Dez. 2025
In einer Welt, die immer lauter und schneller wird, ist bewusstes aktives Zuhören fast schon ein Akt der Rebellion. Dabei kann aktives Zuhören ein mächtiger Weg sein, um tiefere Verbindungen zu schaffen und echtes Verständnis zu fördern. Aktives Zuhören geht in die Tiefe. Es bewegt sich vom Kopf in den Gefühlsbereich, zum Herzen und in den Bauch. Durch aktives Zuhören kannst du das Tempo eines Gesprächs regulieren, egal ob jemand überschäumend redet oder stockend und zäh.
So gelingt dir aktives Zuhören:
1. Kontakt herstellen: Mit Ruhe und Präsenz trittst du in den Dialog ein. Deine Aufmerksamkeit, dein innerer Fokus, ist maximal auf dein Gegenüber gerichtet. Du bist ganz da und ganz bei der anderen Person.
2. Wohlwollend einfühlen: Das bedeutet, den Willen zu haben, zu akzeptieren, was auch immer kommt. Akzeptieren heisst nicht, einverstanden zu sein, sondern zu verstehen. Wenn du wirklich zuhörst, beginnst du, die Welt aus der Perspektive des anderen zu sehen. Du tauchst in die Welt des Gegenübers ein und erforschst sie mit seinen Sinnen. Einfach zuhören.
3. Zusammenfassen in eigenen Worten: Es geht nicht darum, die Worte deines Gesprächspartners wortwörtlich zu wiederholen, sondern das Wesentliche auf den Punkt zu bringen. So zeigst du, dass du wirklich verstanden hast, was der andere gemeint hat. «Ich habe von dir verstanden, dass du... Stimmt das so?»
4. Gefühle wahrnehmen: Im Profimodus spürst du in deinen eigenen Körper hinein, um die Gefühle deines Gesprächspartners wahrzunehmen. Denn wir spiegeln einander die Gefühle, indem wir sie in unserem eigenen Körper wahrnehmen. Was für eine geniale Funktion der Evolution! Du kannst diese Wahrnehmungen deiner Körperintelligenz gern in einer fragenden Formulierung äussern. Dabei ist es nicht wichtig, dass der Gefühlszustand genau getroffen wird, vielmehr öffnet sich dadurch ein Raum, in dem sich die Gefühle entfalten dürfen. Beispielsweise: «Das macht dich traurig?» – «Nein, das macht mich wütend!»
Warum ist aktives Zuhören wichtig?
Aktives Zuhören schafft Vertrauen und baut Missverständnisse ab. Es zeigt Respekt und Wertschätzung für das, was dein Gegenüber sagt. In unserer schnelllebigen Zeit kann es wahre Wunder wirken!
Was alle Menschen wirklich wollen, ist gesehen und angenommen zu werden, so wie sie sind. Mit aktivem Zuhören befriedigst du ein Grundbedürfnis deines Gegenübers und sammelst viele Bonuspunkte auf dem Beziehungskonto.
Aktives Zuhören kann den Unterschied machen, ob eine spannungsgeladene Situation sich mehr entzündet oder eine Abkühlung möglich ist. In der Konfliktklärung wende ich die Praxis des aktiven Zuhörens intensiv an. Es öffnet Vertrauensräume, in denen die Konfliktklärung stattfinden kann.
Fazit
Zuhören ist keine passive Haltung. Es ist eine bewusste Entscheidung für Verbindung statt recht haben, für Verstehen statt Reagieren. In einer Zeit permanenter Ablenkung ist echtes Zuhören ein stiller, aber wirksamer Akt von Präsenz – und manchmal tatsächlich ein kleiner Akt der Rebellion.
Die häufigsten Fragen zum Thema aktives Zuhören
Muss ich immer empathisch zuhören – auch wenn ich anderer Meinung bin?
Nein. Aktives Zuhören bedeutet nicht Zustimmung. Es bedeutet, das Gegenüber zuerst zu verstehen, bevor du deine eigene Sicht einbringst. Unterschiedliche Meinungen dürfen bleiben.
Was mache ich, wenn ich innerlich schon am Reagieren bin?
Das ist menschlich. Nimm es wahr, atme bewusst und kehre mit deiner Aufmerksamkeit wieder zur anderen Person zurück. Zuhören ist eine Praxis, kein Perfektionszustand.
Kann aktives Zuhören auch manipulativ eingesetzt werden?
Ja, wenn es rein technisch angewendet wird. Wirksam wird es erst durch eine innere Haltung von Echtheit, Offenheit und Respekt.
Wie kann ich aktives Zuhören im Alltag üben?
Beginne klein: Handy weglegen, nicht unterbrechen, eine Zusammenfassung anbieten. Schon diese Mini-Schritte verändern Gespräche spürbar.
Wo finde ich weitere Übungen zur Stärkung der Kommunikationskompetenzen?
Im Buch Konflikt, ledig, sucht ... Nein, danke! sowie in den beiliegenden Arbeitsblättern findest du viele weitere Übungen.




.png)
Kommentare