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Konflikte einfach klären

  • Autorenbild: Franziska Stebler
    Franziska Stebler
  • 15. Mai 2024
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 29. Dez. 2025

Konflikte zu verstehen und unserem persönlichen Umgang mit ihnen, das macht den Unterschied in zwischenmenschlichen Herausforderungen. Spannungen und Konflikte sind in unserem Leben alltäglich. Mit ganz vielen davon können wir auf eine konstruktive Art und Weise umgehen. Wir sprechen Differenzen an, wir nehmen kleinere Eskalationen wahr und verhalten uns so, dass es der Deeskalation und Lösung dient. Beispielsweise finden wir im Dialog Lösungen, die für alle Konfliktparteien passen, wir geben nach, wir ziehen uns zurück, wir vergeben und lassen los.


Doch spätestens, wenn es uns nicht mehr gelingt, konstruktiv den einen oder anderen Konflikte zu lösen, sind Wissen um die Konfliktdynamiken und -eskalationen sowie Methoden zur Deeskalation der Konflikte ein wichtiges Handwerkszeug. Sonst eskaliert der Konflikt unbeabsichtigt immer mehr. Wie ein Hefeteig - wenn wir uns nicht darum kümmern, geht er immer mehr auf.


Die Lösungsansätze orientieren sich an den neun Konflikteskalationsstufen nach Friedrich Glasl:



Konflikte lösen


Folgendes kann zur Deeskalation und Lösung eines Konfliktes angewendet werden:

Eskalationsstufe

Konflikte lösen

  1. Verhärtung

  • Ein lösungsorientierter Blick auf abweichende Sichten hilft, den eigenen Widerstand zu überwinden. Nicht der Konflikt ist das Problem, sondern unser Umgang mit dem Konflikt.

  • Das Thema ansprechen und im wertschätzenden Dialog klären. Sonst übernimmt der Konflikt die Oberhand. Aus "wir haben einen Konflikt" wird "der Konflikt hat uns". Sprechen Sie das Thema in einer ruhigen Minute an, nicht wenn die Verhärtung spürbar ist.

  • Befähigen Sie Führungskräfte und Mitarbeitende, unterschiedliche Sichten auszudiskutieren, so kann der Mehrwert von Unterschiedlichkeit im Team und im Projekt für den Unternehmenserfolg genutzt werden.

2. Debatte und Polemik

  • Sprechen Sie ihre Wahrnehmung gegenüber den Konfliktparteien aus.

  • Signalisieren Sie Gesprächsbereitschaft.

  • Bauen Sie Vertrauen auf, indem mit den Parteien Sichtweisen, Gefühle und Bedürfnisse geteilt und verstanden werden.

  • Achten Sie darauf, mit Ihrem Verhalten den Konflikt nicht zu befeuern. Vermeiden Sie Schuldzuweisungen und Abwertungen der anderen Parteien. Behalten Sie sich ein offenes Ohr und Herz für alle.

  • Initiieren Sie eine Teamentwicklung bzw. ein Teamcoaching, allenfalls durch eine externe Begleitung.

  • Um sich einen lösungsorientierten Blick auf die Situation zu bewahren, kann es hilfreich sein, mit einer neutralen Gesprächspartnerin ein lösungsorientiertes Mindset und einen gemeinsam getragenen Lösungsweg zu erarbeiten.

  • Konfliktmoderationen und -workshops können die Dialogfähigkeiten und die Empathie wieder herstellen.

  • Falls Sie überfordert sind, holen Sie sich Hilfe.

3. Taten statt Worte

  • Beachten Sie, dass Menschen unterschiedlich mit eskalierten Konflikten umgehen. Schulen Sie andere und sich selbst darin, das eigenen Konfliktverhalten bewusster wahrzunehmen.

  • Möchten Sie den Konflikt schlichten, dann verabschieden Sie sich von der Klärung der "Schuldfrage". Seien Sie sich bewusst, dass der Konflikt auf dieser Stufe bereits eine Eigendynamik angenommen hat. Die unbewussten Affekthandlungen sowie das kollektive Unbewusste sind am Wirken. Falls Sie überfordert sind, holen Sie sich Hilfe.

4. Sorge um Image & Koalition

  • Verabschieden Sie sich von dem Gedanken, das Problem würde sich von selbst lösen.

  • Seien Sie achtsam, ob Sie die Machtkarte ziehen wollen oder nicht doch den Weg über den Dialog wählen wollen.

5. Gesichtsangriff und -verlust

  • Diese Dynamiken in der Organisation haben meistens Auswirkungen im grösseren Kreis. Seien Sie jetzt besonders achtsam, wie sie handeln. Es strahlt weit in die Organisation aus und trägt viel zur Kulturbildung bei.

  • Steigt die Anzahl von offenen und verdeckten Konflikten im Unternehmen? Werden Konflikte zu lange ignoriert? Dies sind Zeichen, dass ihre Führungskräfte und Mitarbeitende noch nicht ausreichend über Konfliktkompetenzen verfügen.

  • Ich biete Workshops und Trainings zu Konfliktkompetenzen an. Sie sind mit einer grossen Portion Praxis angereichert, da nur das Erleben der Dialogfähigkeit sowie eine intensive Selbstreflexion auch Wirkung im Alltag entfalten kann.

6. Gewaltandrohung, Erpressung

  • Manche Unternehmen reagieren mit Versetzung oder Kündigung einer Konfliktpartei. Ich weiss, dass dies langfristig nicht helfen wird. Aus systemischer Sicht wird das ungelöste, dahinterliegende Problem in anderer Form wieder auftauchen.

  • Die Möglichkeit, den Konflikt intern zu lösen, ist überschritten. Kollegen und Kolleginnen werden von den Parteien als befangen erlebt. Schalten Sie spätestens jetzt eine neutrale, all parteiliche Wirtschaftsmediatorin ein. Wir helfen den Parteien, den Blick weg von der Schuldfrage hin zur Lösung zu richten.

Weitere Eskalationsstufen

Sind mit mehr Teil meiner Kompetenzen und deshalb hier nicht mehr beschrieben.

Die oben genannten Lösungsansätze finden im Aussen statt, werden angeleitet oder im Dialog erforscht.


Jeder Mensch kann auch in sich innen (in seiner Seelenrealität) an nachhaltigen Veränderungen arbeiten, die die Konfliktkompetenz im aussen stärkt. Hier sind meine Ideen und Impulse, die ich alle selbst an mir erprobt habe:



Fazit: Konflikte verstehen und konstruktiv gestalten


Konflikte sind ein unvermeidlicher Teil unseres Lebens – sowohl beruflich als auch privat. Sie entstehen durch Unterschiede, Spannungen oder Missverständnisse und sind nicht per se negativ. Entscheidend ist, wie wir ihnen begegnen.

Wer die Dynamik von Konflikten kennt – vom anfänglichen Widerstand über Debatten und Polemik bis hin zu eskalierten Stufen wie Gesichtsverlust oder Erpressung – kann frühzeitig deeskalierend wirken und Lösungswege eröffnen. Das Wissen um Konfliktdynamiken nach Glasl, gepaart mit Methoden zur Konfliktmoderation, Teamcoaching oder inneren Arbeit, ermöglicht es, Konflikte nicht nur zu lösen, sondern als Chancen für Entwicklung, Lernen und Beziehungsgestaltung zu nutzen.

Konstruktiver Umgang bedeutet:

  • Frühzeitig handeln: Konflikte rechtzeitig ansprechen, bevor sie eine Eigendynamik entwickeln.

  • Innere Haltung prüfen: Gewaltfreie, achtsame Kommunikation, Selbstreflexion und Bewusstsein für eigene Gefühle und Bedürfnisse.

  • Dialog statt Schuld: Lösungen gemeinsam entwickeln, ohne in Schuldzuweisungen zu verfallen.

  • Professionelle Unterstützung: Bei eskalierten Konflikten neutralen Input von Mediator:innen oder Coaches einbeziehen.

Letztlich gilt: Konflikte sind nicht unsere Feinde, sondern Wegweiser. Wer lernt, mit Differenzen gelassen umzugehen, kann aus jeder Spannung Potenziale schöpfen, Beziehungen stärken und Zusammenarbeit nachhaltig verbessern. Konfliktkompetenz entsteht durch Wissen, Übung und bewusste Selbstreflexion – und sie lohnt sich auf allen Ebenen.



Häufige Fragen zum Thema Konflikte einfach klären


Wie erkenne ich frühzeitig, dass ein Konflikt eskaliert?

Achte auf Anzeichen wie zunehmende Verhärtung, abwertende Kommentare, Vermeidung oder Spannung im Team. Körpersprache, wiederholte Missverständnisse oder sinkende Motivation können ebenfalls Signale sein. Je früher du diese erkennst, desto leichter kannst du deeskalierend eingreifen.

Was kann ich tun, wenn die Konfliktparteien nicht miteinander sprechen wollen?

Dann ist es sinnvoll, zunächst auf innere Arbeit und Selbstreflexion zu setzen: eigene Gefühle, Bedürfnisse und Haltung prüfen, innere Widerstände erkennen. Parallel kann eine neutrale Moderatorin oder Mediator hinzugezogen werden, die einen sicheren Raum für Austausch schafft und Vertrauen wieder aufbaut.

Wie gehe ich mit Konflikten um, die schon stark eskaliert sind (z. B. Gesichtsverlust oder Erpressung)?

In diesen Fällen ist professionelle Unterstützung entscheidend. Eine neutrale, all parteiliche Person kann helfen, den Blick weg von Schuldfragen hin zu Lösungen zu lenken. Gleichzeitig ist es wichtig, dass die Beteiligten lernen, ihre Emotionen zu regulieren und konstruktiv zu kommunizieren.

Kann ich Konfliktkompetenz auch im Alltag stärken, ohne dass ein akuter Konflikt besteht?

Ja, durch regelmäßige Selbstreflexion und Praxisübungen:

  • Gewaltfreie Kommunikation üben

  • Eigene Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen

  • Achtsamkeit und Präsenz trainieren

  • Umgang mit inneren Anteilen beobachten All dies fördert Gelassenheit und Handlungsfähigkeit, bevor Konflikte entstehen oder eskalieren.


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Die Autorin

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Franziska Stebler

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Schreiben ist meine Passion und macht mich glücklich. 

Meine Texte verbinden leicht zugängliche Theorie, praxisnahe Impulse und Fragen, die tief ins Innere von uns Menschen führen.

Denn dort beginnt die Transformation – hin zu einem gelasseneren, friedvolleren Leben.

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