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Die Kraft der kleinen Schritte – warum Bewegung mehr verändert als grosse Sprünge

  • 10. Juli
  • 5 Min. Lesezeit

„So kleine Schritte wie möglich gehen. Das braucht am wenigsten Kraft.“

Dieser Satz meiner Schwester begleitet mich seit einer Wanderung im wunderschönen Berner Oberland.


Meine Schwester ist für mich eine echte „Berggeiss“ – liebevoll gemeint. Die Berge sind ihr Zuhause. Sie kennt die Wege, die Höhenmeter, die Wetterstimmungen und die kleinen versteckten Kraftorte, an denen die Natur das Herz berührt.


Ich habe das grosse Glück, dass ich mich ihr anschliessen darf. Ich weiss: Sie führt uns an Orte, die nicht nur den Körper fordern, sondern auch die Seele nähren.

Diesmal waren wir eine bunt gemischte Gruppe unterwegs. Einige von uns sind sportlich, trainiert und bewegen sich regelmässig. Andere verbringen einen grossen Teil ihres Alltags sitzend vor dem Computer. Sechs Stunden Wanderung, 700 Höhenmeter und Wege auf bis zu 2500 Metern Höhe – das würde eine Herausforderung werden.


Nach den ersten Höhenmetern höre ich meinen Neffen hinter mir schnaufen.

Von hinten kommt die Stimme meiner Schwester:

„Du musst langsamer gehen. Nicht anhalten. Einfach so kleine Schritte wie möglich machen. Das wird dich weit tragen.“

Und an mich gerichtet:

„Du musst ihm ein Tempo vorgeben, das er durchhalten kann.“

Also gehe ich weiter. Langsamer. Mit kleinen Schritten.


Und plötzlich wird aus dieser Wanderung eine Lebensmetapher.

Denn wie oft stehen wir im Leben vor Herausforderungen, die uns riesig erscheinen? Ein neuer Weg. Eine Veränderung. Eine Entscheidung. Ein persönliches Thema, das uns schon lange begleitet.

Oft glauben wir, wir müssten einen grossen Sprung machen.

Alles verändern. Alles lösen. Alles sofort schaffen.

Doch vielleicht liegt die wahre Kraft genau woanders:

Im nächsten kleinen Schritt.



Bewegung verändert unsere Perspektive

Über die Stunden am Berg tauche ich in meine eigene Geschichte ein.

Ich denke an die Bücher, die ich geschrieben habe. Sie sind nicht entstanden, weil ich irgendwann den perfekten Moment gefunden oder den kompletten Weg gekannt hätte. Sie entstanden, weil ich angefangen habe. Ein Satz. Eine Seite. Ein Gedanke nach dem anderen.


Ich denke an die über 30 Kilogramm Gewicht, die ich in den letzten Jahren loslassen durfte. Nicht durch eine einzelne grosse Entscheidung, sondern durch viele kleine tägliche Schritte.


Ich denke an die Alkoholabhängigkeit, die ich überwunden habe. Auch dort war es ein Weg. Ein Prozess aus Entscheidungen, Bewusstheit und immer wieder neuem Ausrichten.


Ich denke an alte Geschichten, die mein Leben lange belastet haben. Sie sind nicht einfach verschwunden. Aber sie haben einen neuen Platz bekommen. Sie gehören zu meiner Geschichte – aber sie bestimmen nicht mehr meine Zukunft.

Und ich denke an meinen Weg als Mediatorin, Coach und Organisationsberaterin. Auch dieser Weg ist Schritt für Schritt entstanden. Durch Lernen, Erfahrungen, Begegnungen und immer wieder den Mut, den nächsten Schritt zu gehen.


Rückblickend erkenne ich:

Nichts davon entstand durch einen grossen Sprung.

Es entstand durch Bewegung.


Vom Opfer zur Gestalterin

Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Erkenntnisse:

Wenn wir in Bewegung kommen, verändert sich unser Blick auf unser Leben.

Wir erkennen: Ich bin nicht nur das Opfer meiner Umstände.

Natürlich gibt es Dinge, die uns passieren. Situationen, die schwierig sind. Erfahrungen, die uns prägen.


Und gleichzeitig sind wir immer auch Gestalterinnen und Gestalter unseres Lebens.

Ich nenne es gerne: Wir werden wieder zur Schöpferin oder zum Schöpfer unseres Weges.

Nicht im Sinne von „Ich kann alles kontrollieren“.

Sondern im Sinne von: Ich kann wählen, wie ich damit umgehe.Ich kann den nächsten Schritt setzen. Ich kann Verantwortung für meinen Weg übernehmen.

Genau diese Erkenntnis trägt weit.


Die Neugier als Wegbegleiterin

Eine wunderbare Rückmeldung zu meiner Wanderung erinnerte mich daran, dass es oft nicht nur Disziplin ist, die uns weiterbringt.

Manchmal ist es die Neugier.

Die Lust, zu entdecken, was hinter der nächsten Kurve liegt.


Der Wunsch zu erfahren: Was passiert, wenn ich diesen Weg weitergehe?

Gerade in schwierigen Lebensphasen kann diese Neugier ein kleiner Funke sein, der uns wieder in Bewegung bringt.

Bei mir ist es heute oft mein innerer Ruf. Meine Intuition. Dieses leise Wissen, das da etwas entstehen möchte oder ein Weg gegangen werden will.

Nicht immer ist dieser Weg einfach.

Aber ich habe gelernt, diesem inneren Ruf mehr zu vertrauen.


Der nächste Schritt reicht

Nach 6,5 Stunden erreichen wir erschöpft und glücklich unser Ziel. Mein Neffe ist stolz. Zu Recht. Er hat nicht nur einen Berg bestiegen. Er hat eine Erfahrung gemacht, die ihm niemand mehr nehmen kann:

Ich kann Herausforderungen bewältigen.


Vielleicht ist genau das die wichtigste Erfahrung überhaupt.

Nicht, dass der Weg immer leicht ist.

Sondern dass wir erleben:

Ich kann weitergehen.

Ein kleiner Schritt. Dann der nächste.

Und irgendwann schauen wir zurück und staunen, wie weit wir gekommen sind.


Die Kraft der kleinen Schritte.

Die Kraft der Wiederholung.

Die Kraft, die entsteht, wenn wir uns immer wieder neu für Bewegung entscheiden.


Welche kleinen Schritte haben dich in deinem Leben weit getragen?

Herzlich

Franziska




Häufige Fragen zur Kraft der kleinen Schritte


 Ich weiss, dass kleine Schritte wichtig sind – aber manchmal fühle ich mich so festgefahren, dass ich nicht einmal den ersten Schritt schaffe. Was kann ich tun?

Das ist eine sehr menschliche Erfahrung. Gerade wenn wir vor grossen Herausforderungen stehen, kann der gesamte Weg so überwältigend wirken, dass wir gar nicht wissen, wo wir beginnen sollen.

In solchen Momenten hilft es, den Fokus nicht auf das grosse Ziel zu richten, sondern nur auf den nächsten möglichen Schritt.

Nicht: „Wie schaffe ich das alles?“

Sondern: „Was ist der kleinste Schritt, den ich heute gehen kann?“

Manchmal ist dieser Schritt tatsächlich winzig: ein Telefonat führen, einen Gedanken aufschreiben, eine Entscheidung treffen oder einfach anerkennen: „Da ist etwas, das ich verändern möchte.“

Bewegung entsteht nicht erst, wenn wir sicher sind. Oft entsteht Sicherheit erst durch die Bewegung.

Nein. Selbstverantwortung ist nicht dasselbe wie Schuld.

Es gibt vieles im Leben, das wir nicht wählen. Menschen verletzen uns. Situationen entwickeln sich anders, als wir gehofft haben. Schicksalsschläge können uns treffen.

Doch irgendwann kommt der Moment, in dem wir entscheiden können:Was mache ich jetzt damit?

Die Kraft der kleinen Schritte beginnt genau dort.

Wir hören auf, unsere Energie nur darauf zu verwenden, warum etwas geschehen ist, und beginnen zu schauen: Welchen Handlungsspielraum habe ich heute?

Für mich bedeutet das: Wir sind nicht immer die Ursache dessen, was uns passiert. Aber wir können immer wieder die Gestalterin oder der Gestalter unseres nächsten Schrittes werden.

Diese Frage begegnet mir auch in meiner Arbeit als Coach und Mediatorin häufig.

Viele Menschen wünschen sich zuerst Gewissheit, bevor sie losgehen. Doch das Leben funktioniert oft andersherum: Wir gewinnen Klarheit, indem wir uns bewegen.

Ein kleiner Schritt muss nicht die endgültige Lösung sein. Er darf ein Experiment sein. Eine Erfahrung. Eine Möglichkeit, etwas über uns und unseren Weg zu lernen.

Mir hilft dabei die Verbindung zur eigenen Intuition.

Manchmal ist es eine leise Stimme, ein inneres Ziehen oder eine Neugier, die uns zeigt: Hier wartet etwas auf mich.

Wir müssen nicht den ganzen Weg kennen. Oft reicht es, den nächsten Meter zu sehen.

Rückschläge gehören zum Weg dazu.

Beim Wandern würden wir ja auch nicht sagen: „Ich bin gefallen, also war die ganze Strecke umsonst.“

Wir würden aufstehen, den Rucksack richten, vielleicht kurz verschnaufen und weitergehen.

Genauso ist es im Leben.

Ein Rückschritt löscht nicht aus, was wir bereits gelernt haben. Jede Erfahrung, jede Veränderung und jeder kleine Schritt hat etwas in uns verändert.

Wichtig ist nicht, niemals zurückzufallen.

Wichtig ist, wieder in Bewegung zu kommen.

Mit Freundlichkeit uns selbst gegenüber. Ohne Abwertung. Ohne den inneren Kampf.

Denn genau dort entsteht die Kraft, die uns weiterträgt..



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Die Autorin

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Franziska Stebler

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Schreiben ist meine Passion und macht mich glücklich. 

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Denn dort beginnt die Transformation – hin zu einem gelasseneren, friedvolleren Leben.

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