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Das innere Erleben erkennen

  • 24. Jan.
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 25. Jan.

Wollen wir Kontakt mit dem Prozess des Lebens stärken, dürfen wir uns zuerst der inneren Theaterbühne - unserem inneren Erleben - zuwenden. Diese ist stark bis vollständig gesteuert durch die Impulse, die von aussen in unsere Innenwelt eindringen.


Die innere Theaterbühne erforschen


Diese innere Theaterbühne kann in fünf seelische Ebenen unterteilt werden, das Wahrnehmen, das Denken, das Fühlen, das Wollen sowie das Handeln.


Beleuchten wir dies anhand einer Situation in einem Zug:


  • Wahrnehmen: Wir sitzen im Zug und beobachten eine Person gegenüber im Zugabteil, wie sie am Telefonieren ist. Wir hören, wie sie sich mit ihrer Gesprächspartnerin austauscht.

  • Denken: Gedanken wie «Spannend, wie sie ihr Erleben ihrer Gesprächspartnerin schildert», «Ihre Hosen passen nicht so wirklich zu ihrem T-Shirt», «Wieso redet sie so laut? Das stört mich jetzt.». Unser Verstand urteilt, bewertet und ordnet die ganze Zeit ein.

  • Fühlen: Wir fühlen in uns drin Unruhe aufsteigen, ein leichtes Engegefühl im Hals. Unsere inneren Energien, die Gefühle, manifestieren sich in unserem Körper. Sind wir in diesem Moment mit dem Körper verbunden, können wir dies fühlen.


  • Wollen: Wir möchten uns auf der Zugfahrt erholen und Ruhe geniessen. Das andauernde Gespräch der Nachbarin stört uns dabei.

  • Handeln: Wir entscheiden uns, die Kopfhörer aufzusetzen und leise entspannende Musik wird die gewünschte Entspannung bringen.


An diesem Beispiel ist leicht zu erkennen, wie diese Ebenen unsere innere Theaterbühne, immer miteinander im Austausch sind, oftmals angeregt durch einen Impuls von aussen.

Was in diesem Beispiel wie ein harmonischer Dialog skizziert ist, ist in der Realität ein Gewusel von sich teilweise widersprechenden und konträren Anliegen und Einwänden. Ganz zu schweigen davon, dass es einiges an Selbstzugang braucht, überhaupt die Gefühle und Bedürfnisse – das Fühlen und das Wollen – in dieser Klarheit wahrzunehmen. Was ich sagen will, in der Realität ist es um einiges komplexer!


Was erlebst du auf deiner inneren Theaterbühne?


Wenn wir jetzt von aussen auf unser Leben und die Situationen schauen, dann erleben wir ja schon nur in einer Stunde unseres Lebens unzählige dieser Situationen. Unser System ist dauernd am Verarbeiten dieser Impulse. Ständig auf Empfang, ja fast schon süchtig nach diesen Reizen, und in der Dauerverarbeitungsschleife. Ein sehr intensiver Prozess, der uns bis zu 100 % unserer Aufmerksamkeit und unserer inneren Energie absorbieren kann. Was da alles die ganze Zeit auf uns einprasselt.


Wir lassen uns oft maximal von aussen beeinflussen. Ich nehme wahr, vielen Menschen ist diese Beeinflussung und ihre Wirkkraft heute nicht bewusst. Sie lassen ungefiltert alles in ihr Inneres rein. Seien dies Nachrichten aus der ganzen Welt, all die hundert Meldungen auf dem Smartphone sowie die unzähligen Ablenkungsmanöver wie Alkohol, Drogen, Abenteuer usw., die das Leben uns so bietet. Diese Informationen und Energien inszenieren sich dann in unserer inneren

Theaterbühne. Ist dir schon mal aufgefallen, dass eine Nachricht aus den Medien, ja die können sehr leidvoll sein, dich tage- oder wochenlang beschäftigen kann? Und hast du schon mal bewusst verfolgt, wie diese inneren Inszenierungen dich stark beeinflussen, viel Energie entziehen und dich dadurch teilweise von deiner unmittelbaren und beeinflussbaren Umwelt abschneiden? Dies führt dazu, dass wir im Inneren den äusseren Kräften und Dynamiken schutzlos ausgeliefert sind. Und so fühlen wir uns dann auch. Schutzlos, ohnmächtig und ausgeliefert. Dies ist keine schöne Ausgangslage, um das Leben zu leben. Wir fühlen uns als Opfer der Umstände und verhalten uns vielfach auch so.


Sind wir dem aussen einfach ausgeliefert?


Die gute Nachricht ist, das muss nicht sein. Wir sind alle nur einen Schritt entfernt davon, das Steuerrad unseres Lebens in die Hand zu nehmen. Doch dies erfordert Mut, Willen und Disziplin. Mut, sich seinem inneren Erleben zuzuwenden. Den Willen und die Absicht, effektiv Veränderung herbeizuführen. Und die Disziplin, es umzusetzen. Auch bei Rückschlägen, Rückfällen in alte Muster, Umwegen und

schmerzlichen Erfahrungen dranzubleiben.



Die Verantwortung für die innere Theaterbühne zu übernehmen, bedeutet als Regisseurin das Stück auf der Theaterbühne zu bestimmen. Also nicht mehr einfach alles auftreten zu lassen, was unmittelbar gespielt werden will, sondern ein Programm aufzustellen und dies umzusetzen.



Was als Metapher ein Bild generiert, bedeutet in der Realität, gut zu schauen, wen wir da ins Theater hereinlassen. Einen Wächter aufzustellen. Er regelt den Zutritt ins innere Theater. Oder zumindest zuschaut, was sich da so inszeniert und eingreift, wenn es nicht passend ist.



Hier ein paar Ideen rund um den Wächter. Mit welcher Haltung und mit welchen Fragen du ihn in dein Leben locken kannst:


Der innere Wächter als achtsamer Türsteher

Stell dir deinen inneren Wächter wie einen feinsinnigen Türsteher vor. Er ist nicht grob oder aggressiv, sondern klar, wach und wohlwollend. Seine Aufgabe: «Wer oder was darf heute auf deiner inneren Bühne auftreten – und wer bleibt draussen?»

  • Welche Gedanken, Bilder oder Reize haben heute freien Eintritt

    bekommen – obwohl du sie lieber abgewiesen hättest?



Der Wächter als aufmerksamer Beobachter

Manchmal reicht es, dass er still beobachtet – ohne sofort einzugreifen. Allein durch seine Präsenz verändert sich das Stück auf der Bühne.

Übung:


  • Nimm dir 3 Minuten Zeit und spüre, was auf deiner inneren Bühne gerade los ist. Welche Figuren treten auf? Was erzählen sie? Wie wirken sie auf dich?



Der Wächter als Kurator deines Programms

Wie im Theater kann auch die Regisseurin gemeinsam mit dem Wächter das Programm bewusst gestalten:


  • Welche Themen willst du vertiefen? Welche Dialoge möchtest du stärken?

  • Welche inneren «Inszenierungen» möchtest du öfter erleben – z. B. Ruhe, Humor, Neugier, Klarheit?

  • Wie kannst du sicherstellen, dass dies umgesetzt wird?



Der Wächter als Energie-Manager

Er prüft, ob das, was hereinkommt, nährt oder zehrt. Seine Frage lautet:

«Ist das, was da auftritt, meiner Energiefrequenz dienlich?»

Mini-Check-in:

Nach dem Scrollen auf dem Smartphone: Bin ich jetzt aufgeladen oder ausgelaugt?



Die Wächterin als Ritualbegleiterin

Gib deiner inneren Wächterin eine konkrete Rolle im Alltag. Vielleicht öffnet oder schliesst sie den Tag mit dir gemeinsam. Zum Beispiel:

  1. Morgens: Was will ich heute einlassen?

  2. Abends: Was war heute zu viel – und was hat mich gestärkt?

Ritualfrage:


  • Was lasse ich heute los?

  • Was nehme ich mit?



Schlussendlich darf jeder Mensch selbst herausfinden, wie er/sie sein Innenleben gestalten möchte. Mich hat es auf meinem Weg zur inneren Ruhe sehr unterstützt, meinen generellen Medienkonsum stark einzugrenzen. Ich lese keine Tageszeitung mehr, schaue wenig im Fernseher. Tagesschau und all die Nachrichten halte ich bewusst von mir fern, ausser es gibt ein Grossereignis, über das ich informiert sein will. Was aber etwa alle halbe Jahre mal vorkommt. Auch den Umgang mit den sozialen Medien habe ich stark reduziert.


Was ist meine persönliche Erfahrung?


Ich nähre meinen inneren Raum bewusst mit positiven Affirmationen, die ich auf meinem Smartphone mir täglich vor Augen führe und höre Meditationsaudios. Ohne das Negative und Schwierige zu verneinen, verbinde ich mich immer wieder

ganz bewusst dank der Affirmationen und Mantras mit den stärkenden Kräften in mir.


Welche Wirkung erreichen wir damit?


Bei all diesen Interventionen geht es nicht darum, die Aussenwelt zu ignorieren. Vielmehr geht es darum, aus der unbewussten Dynamik des «offenen Tores» zur Innenwelt auszusteigen – und die so «nicht verlorene» Energie bewusst zu nutzen.

Schon nach wenigen Tagen mit weniger Reizen – etwa durch reduzierten Medienkonsum – wirst du eine Veränderung spüren: Es steht dir spürbar mehr Energie zur Verfügung.



"Wir suchen im anderen,

was wir in uns selbst verloren haben."



Wenn du diese Energie einsetzt, um in deinem direkt beeinflussbaren Umfeld konkrete Veränderungen oder Verbesserungen zu bewirken, stärkst du damit deine Selbstwirksamkeit. Es wird dich darin stärken, deine eigenen inneren Schätze und Schatten bewusst zu würdigen und sie immer stärken in deinem Leben zu verankern. Wir entdecken in uns selbst das, was wir mit grosser Energie im Aussen suchen. Das wird dein Selbstvertrauen auf ein neues Level heben – und wirkt sich auch positiv auf dein Umfeld aus.



Häufige Fragen zum inneren Erleben


Was meinst du genau mit dem „inneren Theater“ – und warum ist es so wichtig, sich ihm zuzuwenden?

Das innere Theater ist die Metapher für alles, was gleichzeitig in dir wirkt: Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse, Wahrnehmungen und Handlungsimpulse. Diese Ebenen sind ständig aktiv und reagieren auf äussere Reize – oft schneller, als dir bewusst ist.


Wenn du dich diesem inneren Geschehen zuwendest, gewinnst du Abstand. Du steigst aus dem Autopiloten aus und beginnst, dein Erleben bewusst wahrzunehmen. Erst dann entsteht Wahlfreiheit: Du kannst entscheiden, was dich weiter antreiben darf – und was nicht mehr.

Wie lange sollte ich auf soziale Medien verzichten?

Die Veränderung wird innert einer Woche spürbar werden. In dieser Zeit ist es wichtig, deinen Medienkonsum (soziale Medien zählt da auch dazu) so zu reduzieren, dass maximal 30 Minuten pro Tag dich damit befasst. Am besten ist es, du lässt es für eine diese Zeit ganz sein. So wirst du den grössten Unterschied bemerken.

Heisst das, ich soll mich von der Aussenwelt abschotten und nichts mehr an mich heranlassen?

Nein. Es geht nicht um Abschottung, sondern um Bewusstheit und Auswahl.

Die Aussenwelt bleibt da – mit all ihren Informationen, Reizen und Herausforderungen. Der Unterschied ist: Du lässt nicht mehr ungefiltert alles in dein Inneres hinein. Der innere Wächter hilft dir, zu prüfen: Nährt mich das gerade – oder raubt es mir Energie? So bleibst du verbunden mit der Welt, ohne dich von ihr überfluten zu lassen.

Wie kann ich diesen „inneren Wächter“ konkret in meinen Alltag integrieren?

Ganz unspektakulär – durch kleine, wiederkehrende Momente der Aufmerksamkeit.Zum Beispiel:

  • kurz innehalten, bevor du Nachrichten liest oder durch Social Media scrollst

  • abends reflektieren: Was war heute stärkend, was eher zehrend?

  • morgens bewusst entscheiden: Welche Haltung will ich heute einladen?

Der Wächter muss nichts verbieten. Oft reicht sein stilles Dabeisein, damit du merkst: Ah, das hier tut mir gerade nicht gut. Und genau darin liegt seine Kraft.

Was verändert sich, wenn ich meine Energie nicht mehr im Aussen verliere, sondern bewusster nutze?

Du wirst dich weniger ausgeliefert fühlen – und mehr wirksam erleben.


Die Energie, die sonst im inneren Dauerrauschen gebunden ist, steht dir plötzlich für das zur Verfügung, was du wirklich beeinflussen kannst: dein Handeln, deine Beziehungen, deine Entscheidungen.

Mit der Zeit wächst daraus Vertrauen – in dich selbst und in den Prozess des Lebens.

Und oft entdeckst du dabei in dir genau das, was du lange im Aussen gesucht hast.




Aus dem Shop


Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch


„Lebe in Leichtigkeit und Freiheit – Vertraue dem Prozess“.

Das Buch lädt dich ein, alte Muster zu erkennen, innere Enge zu würdigen und neue Räume von Vertrauen zu öffnen.

Ein Buch für Menschen, die sich selbst ernst nehmen und dem Leben wieder mehr zutrauen möchten.


Franziska Stebler: Lebe in Leichtigkeit und Freiheit - Vertraue dem Prozess
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Die Autorin

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Franziska Stebler

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Schreiben ist meine Passion und macht mich glücklich. 

Meine Texte verbinden leicht zugängliche Theorie, praxisnahe Impulse und Fragen, die tief ins Innere von uns Menschen führen.

Denn dort beginnt die Transformation – hin zu einem gelasseneren, friedvolleren Leben.

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